Zeit zu haben, ist manchmal ein gefährlicher Luxus. Er lässt uns – trotz Deadline – faul werden. Erst kurz vor Torschluss strengen wir uns an – auch bekannt als "Edwards Gesetz". Das besagt, dass der Aufwand, den man in eine Sache investiert, umgekehrt proportional zur verbleibenden Zeit steigt.
Oder einfach erklärt: Je näher die Deadline rückt, desto mehr strengen wir uns an.
Warum ist das so? Warum werden wir erst auf den letzten Drücker so richtig produktiv? Und wie lässt sich der psychologische Effekt nutzen?
Das „Edwards Gesetz“ beschreibt das Phänomen der Torschlusspanik und -produktivität. Salopp erklärt es, warum wir uns umso mehr engagieren, Zeit investieren und uns anstrengen, je näher die Deadline rückt.
Jeder kennt das: Am Anfang gibt es Zeit satt, und die wirkt auf uns wie eine Einladung zum Schlendrian und zur Prokrastination. Je knapper die Zeit aber wird, desto mehr Energie und Kreativkräfte können wir auf einmal mobilisieren.
Typische Beispiele für "Edwards Gesetz" sind das Lernen für Klausuren, die Vorbereitung für ein Referat oder eine Präsentation für ein Projekt und sogar die Jobsuche.
Benannt wurde Edwards Gesetz nach seinem Entdecker Edward A. Murphy. Dessen Nachnamen kennen die meisten eher durch ein anderes, ebenfalls nach ihm benanntes Gesetz: Murphys Gesetz (engl. „Murphys Law“). Kurz: „Alles, was schief gehen kann, wird auch schiefgehen.“
Eng verwandt mit "Edwards Gesetz" ist das sogenannte „Parkinsonsche Gesetz“, das auf den britischen Soziologen Cyril Northcote Parkinson zurückgeht. Das Parkinsonsche-Gesetz besagt, dass sich Arbeit in genau dem Maß ausdehnt, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.
Einfach ausgedrückt: Wenn du für eine Aufgabe 5 Tage zur Verfügung hast, wirst du auch 5 Tage brauchen. Hast du zur Erledigung aber nur 2 Tage, brauchst du auch nur 2 Tage. Es sei denn, die Zeitspanne ist völlig unrealistisch gewählt.
Beide Gesetze basieren auf der Beobachtung, dass uns ein Zeitüberschuss eher unproduktiv macht und enge Limits eher die Produktivität steigern.
Was sich zunächst nach einem psychologischen Defekt und Plädoyer für die menschliche Faulheit anhört, lässt sich im Alltag durchaus produktiv nutzen. So ist der Effekt, der hinter Edwards Gesetz steckt, durchaus nützlich, bei der Führung von Mitarbeitern ebenso wie im Selbstmanagement, wie nachfolgende Beispiele zeigen.
1. Setze dir Limits
Plane die Zeit für eine Aufgabe oder ein Projekt möglichst realistisch ein, sodass du vorab weniger davon vertrödelst. Aber Achtung: Der Trick funktioniert nicht, um die Trödelei am Anfang grundsätzlich zu umgehen. Edwards Gesetz lässt sich durch Selbstbetrug nicht aushebeln. Vielmehr führt das Vorgehen nur zu noch mehr Stress, da in kürzerer Zeit mehr geleistet werden muss. Entscheidend ist allein, dass du dir realistische Limits setzt.
2. Übe Selbstdisziplin
Wer sich dabei ertappt, regelmäßig erst zum Ende der Deadline produktiv zu werden, sollte an seiner Selbstdisziplin arbeiten. Limits helfen nur, wenn du diese auch einhältst. Anderenfalls kommt es zum „Jetzt-ist-es-auch-egal-Effekt“. Begegne dem Problem durch ein strafferes Selbstmanagement und striktes Zeitmanagement. So verteilst du deine Arbeit gleichmäßiger und kommst zum Schluss weniger unter Druck.
3. Definiere Meilensteine
Wer von sich weiß, dass er oder sie sich erst zum Ende hin mehr anstrengt, sollte große Projekte oder Aufgaben in kleine Teilabschnitte zerlegen und für diese Meilensteine kürzere Intervalle und Mini-Deadlines setzen. So erzeugst du vor jedem Abschluss eines Teilabschnitts einen eigenen Produktivitätsschub – und Edwards Gesetz wird zu deinem wertvollen Verbündeten für mehr Erfolg.
Ein weiterer enger Verwandter Effekt zu
"Edwards Gesetz" ist der sogenannte
„Goal-Gradient-Effect“. Hinter dem sperrigen Anglizismus steckt ebenfalls die Erkenntnis, dass wir uns umso mehr anstrengen, je näher wir dem Ziel kommen.
Entdeckt hat den Goal-Gradient-Effect der Verhaltensforscher Clark Hull schon im Jahr 1932. Bis heute machen sich diesen Effekt vor zahlreiche Fitness-Trainer oder Coaches zunutze, wenn Sie uns anfeuern und sagen: „Komm, einer geht noch!“ In dem Wissen, dass die Strapaze gleich vorbei ist, setzen wir nochmal ungeahnte Energiereserven frei. Kurz vor dem Finale geben wir nochmal alles, aber niemals auf.
Noch etwas über Zeit?
Keine wissenschaftlich fundierte Gesetzmäßigkeit, aber dennoch nicht zu unterschätzen ist die sogenannte "72-Stunden-Regel". Sie besagt, dass alles, was du dir vornimmst, du innerhalb von 72 Stunden beginnen musst. Danach sinkt die Chance, dass du das Projekt jemals umsetzt, auf ein Prozent.
Auch wenn diese psychologische Regel eher eine Faustformel ist, steckt darin ein häufig zu beobachtender Kern: „Wer will, findet Wege; wer nicht will, findet Gründe.“
Letztlich steckt hinter der 72-Stunden-Regel eine der wichtigsten Erfolgseigenschaften überhaupt: "Volition". Man könnte den Begriff synonym auch mit „Willenskraft“ oder „Entschlossenheit“ übersetzen. Also dem unbedingtem Willen zum Erfolg.
Quelle: karrierebibel.de
In diesem Sinne, frei nach Erich Kästner: „Es gibt nicht Gutes: außer man tut es.“ Und das am besten sofort, jedenfalls binnen 72 Stunden!
Vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße,
Richard
P. S. Die maskuline Schreibweise dient ausschließlich der besseren Lesbarkeit. Angesprochen sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.