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Das Trolley-Problem

Richard Petersen • 6. Dezember 2024

Wenn du eine Wahl treffen müsstest

Würdest du einen Menschen opfern, um fünf zu retten? Das "Trolley-Problem"   beschäftigt sich mit genau dieser moralischen Zwickmühle. Es beschreibt ein Gedankenexperiment und gleichzeitig ein moralisches Dilemma.


Das "Trolley-Problem" beschäftigt sich mit einer außer Kontrolle geratenen Straßenbahn. Ein Weichensteller kann mehrere Leben retten, indem er das Leben einer einzelnen Person opfert.

Die Grundfrage hinter dem Gedankenexperiment ist, ob der Tod eines Einzelnen in Kauf genommen werden darf, um mehrere Leben zu retten.


Der Begriff „Trolley-Problem“ leitet sich vom US-amerikanischen Wort für Straßenbahn „trolley“ ab. Es handelt sich um ein Gedankenexperiment, das auf eine Arbeit von Karl Engisch aus dem Jahr 1930 zurückgeht. Manchmal wird das "Trolley-Problem" auch als "Trolley-Dilemma" oder als „Weichenstellerfall“ bezeichnet.


1967 formulierte Philippa Foot, eine britische Philosophin, das Trolley-Problem in einer neueren Fassung.

Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle und droht fünf Menschen zu überrollen und zu töten. Ein Weichensteller kann diese fünf Menschenleben retten, indem er die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umleitet. Auf diesem Gleis befindet sich nur eine Person, die aber von der Straßenbahn im Fall der Umleitung getötet wird.


Im Kern geht es beim "Trolley-Problem" um die Fragestellung: Darf der Tod einer Person durch aktives Eingreifen (Umstellen einer Weiche) in Kauf genommen werden, um das Leben mehrerer Personen zu retten.

Diese Fragestellung führt zu einem ethischen und moralischen Dilemma. Sie lässt sich aus moralischen und ethischen Gesichtspunkten kaum richtig beantworten. Beide Optionen führen zum Tod von Menschen.

Je nach Kulturkreis, persönlicher Einstellung und anderen Einflussfaktoren entscheiden sich Menschen im beschriebenen Gedankenexperiment übrigens unterschiedlich. So gibt es sowohl die Grundhaltung, dass Menschenleben nicht gegeneinander aufgerechnet werden dürfen, als auch die Einstellung, so viele Menschenleben wie möglich retten zu wollen.


„Im Zuge der Debatte um autonome Fahrzeuge hat das Trolley-Problem ein Revival erfahren“, sagt Iyad Rahwan, Direktor des Forschungsbereichs Mensch und Maschine am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und erläutert: „Wie sollen selbstfahrende Fahrzeuge sich verhalten, wenn ein Unfall nicht zu verhindern ist? Soll das Fahrzeug einer Menschengruppe ausweichen und dabei den Insassen des Autos opfern? Universelle Grundsätze, an die sich Ingenieure und Programmierer von autonomen Fahrzeugen halten könnten, gibt es nicht.“

Die groß angelegte "Moral-Machine-Umfrage" mit 70.000 Personen in 42 Ländern, die Iyad Rahwan 2017 mit seinem Team am Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt hat, zeigte, dass Menschen je nach Kulturkreis autonome Fahrzeuge in solchen Situation unterschiedlich programmieren würden. Unterschiede zwischen den Ländern gab es in der generellen Bereitschaft, Menschen zu opfern.

Beim Trolley-Problem würden es beispielsweise 82 Prozent der Deutschen billigen, den einzelnen Menschen zu opfern. In den meisten westlichen Ländern sind die Werte ähnlich. Lediglich in einigen ostasiatischen Ländern ist das Ausmaß der Bereitschaft, einen Menschen für das Leben mehrerer zu opfern, auffallend geringer. In China beispielsweise billigen nur 58 Prozent, die Weiche umzustellen.


Das Gedankenexperiment mit der Straßenbahn wurde später von der US-amerikanischen Philosophin Judith Jarvis Thomson in vielfältigen Varianten durchgespielt. (Darf ein entführtes Passagierflugzeug abgeschossen werden, bevor es von den Entführern absichtlich in ein vollbesetztes Stadion gelenkt wird und bei dem die Passagiere vermutlich sowieso sterben würden?) Thomson interessierte sich dabei insbesondere für die moralische Unterscheidung zwischen aktivem Tun und passivem Unterlassen. Das Schlechte zu tun, scheint uns nämlich oft verwerflicher zu sein als das Gute zu lassen, auch wenn dasselbe dabei herauskommt.


Erklärungsbedürftig ist dann aber der ethisch relevante Unterschied zu anderen Fällen, bei denen intuitiv die Rettung von fünf Menschen auf Kosten von einem Menschenleben unzulässig erscheint.

Diese Erklärungslücke bezeichnet Thomson als das „Trolley-Problem“ und stellt dem oben beschriebenen Szenario dazu folgende Gedankenexperimente gegenüber.


1. Ein Chirurg hat fünf Patienten, die alle unterschiedliche Organe benötigen, um am Leben zu bleiben. Unglücklicherweise stehen dafür keine Spenderorgane zur Verfügung. Da meldet sich ein gesunder junger Durchreisender zu einer Routineuntersuchung. Der Arzt stellt fest, dass dessen Organe zu seinen fünf todkranken Patienten passen. Nehmen wir an, dass niemand den Arzt verdächtigen würde, wenn der Reisende verschwände.

Hältst du es für richtig, dass der Arzt den Reisenden ausschlachtet, um dessen Organe an die fünf todkranken Patienten zu verteilen und so ihr Leben zu retten?


2. Du bist Richter in einem Rechtssystem, in dem Richter über die Frage „schuldig“ oder „nicht schuldig“ urteilen. Du hast einen Angeklagten vor dir, dem ein Verbrechen zur Last gelegt wird, das erhebliche Empörung in der Öffentlichkeit ausgelöst hat. Im Verlauf des Prozesses wird dir klar, dass der Angeklagte unschuldig ist. Die überwältigende Mehrheit der Öffentlichkeit hält ihn jedoch für schuldig. Folglich glaubst du, dass es bei einem Freispruch zu Unruhen käme, in deren Verlauf mehrere Menschen (unschuldig) ums Leben kommen und viele verletzt werden. Und nehmen wir an, dass auf das Verbrechen zwingend die Todesstrafe steht. Solltest du den Angeklagten verurteilen?


3. Die von Thomson selbst entwickelte Variante des ursprünglichen Gedankenexperiments, „Fat Man“.

Die Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht fünf Personen zu überrollen. Durch Herabstoßen eines unbeteiligten schweren Mannes von einer Brücke vor die Straßenbahn kann diese zum Stehen gebracht werden. Darf durch das vorsätzliche Stoßen des Mannes der Tod einer Person herbeigeführt werden, um das Leben von fünf Personen zu retten?


Bei dem Trolley-Problem stehen sich die zwei einflussreichsten Moraltheorien gegenüber.

Gemeint sind der Utilitarismus  und die Pflichtethik.

Gemäß dem Utilitarismus  bemisst sich der moralische Wert einer Handlung allein an den erwartbaren Folgen der Handlung. Wenn du wissen willst, ob eine Handlung gut ist, dann schau, was dabei herauskommt.

Für die Praxis heißt das: Handle so, dass durch deine Handlung das Glück der Betroffenen maximiert und das Leid minimiert wird. Das größte Glück für die größte Zahl – darin besteht das Ziel der Moral.

Die Begründung „Besser ein Toter als fünf“ ist also eine utilitaristische Begründung.

 

Anders sieht das die Pflichtethik  (auch Deontologie  genannt, vom altgriechischen „deon“ für „Pflicht“). Ihr zufolge besteht der Wert einer Handlung nicht nur in ihren Konsequenzen, sondern in der Handlung selbst.

Es gibt Handlungen, die schlecht sind, egal wie viel Gutes dabei herauskommt. Töten oder Foltern gehören dazu. Diese Handlungen sind kategorisch falsch und können nicht durch Kosten-Nutzen-Rechnungen aufgewertet werden. Es gibt Dinge, die man nicht tun darf, unter keinen Umständen.

Diese moralischen Verbotsschilder schützen unsere Menschenwürde und verhindern, dass unsere Interessen oder unser Leben für das Gemeinwohl geopfert werden. Die Pflichtethik geht auf Immanuel Kant (1724-1804) zurück, den deutschen Aufklärungsphilosophen.


Mangels ausreichender Kenntnisse erspare ich euch eine juristische Bewertung des Trolley-Problems.

Nur soviel: In beiden Optionen des klassischen Trolley-Problems verursacht der Weichensteller den Tod von Menschen: Durch Unterlassen, wenn er nichts tut, durch aktives Tun, wenn er die Weiche umlegt.

Im deutschen Strafrecht hat die Unterscheidung zwischen Tun und Unterlassen erhebliche Folgen. Deshalb wären die beiden Fälle getrennt darzustellen. Wichtig ist ferner, dass im deutschen Strafrecht zwischen der Rechtfertigung und Entschuldigung (d. h. Rechtswidrigkeit ohne individuelle Vorwerfbarkeit) einer Tötung streng unterschieden wird.

Quelle: mpg.de, wikipedia.org, srf.ch


Hoffen wir, dass wir niemals eine derart schwierige Entscheidung treffen müssen.

In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße,

Richard


P. S. Die maskuline Schreibweise dient ausschließlich der besseren Lesbarkeit. Angesprochen sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.

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