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Krieg und Frieden

Richard Petersen • 1. November 2024

Das Robbers-Cave-Experiment

Es gilt als Meilenstein in der Konfliktforschung! Eine wegweisende Studie über Gruppenkonflikte.

Beim "Robbers-Cave-Experiment" machten Forschende 22 Jungen 1954 zunächst zu Feinden - und versuchten anschließend, sie wieder zu versöhnen. Bekannt wurde das Experiment auch unter dem Begriff der „Realistischen Konflikttheorie“.

Warum geraten Menschen immer wieder in Konflikte miteinander? Und wie können sie diese wieder lösen? Diese Frage war in den 1950er-Jahren Hauptbestandteil der Forschung des US-Sozialpsychologen Muzafer Sherif. Der Wissenschaftler wollte in einem Experiment beweisen, dass Kinder in einer Konkurrenzsituation innerhalb kürzester Zeit aggressiv werden - und ermöglichte damit grundlegende Einsichten in die Psychologie von Gruppenkonflikten.


Als die elf Jungen aus Oklahoma City am 11. Juni 1954 in den Bus zu einem Lager der "Boy Scouts of America" im Robbers Cave State Park in Oklahoma stiegen, wussten sie nicht, dass sie Teil eines Experiments werden würden, das die Konfliktforschung nachhaltig beeinflusste. Alles schien zunächst normal in dem Ferienlager. Die Jungen bezogen ihre Hütte, lernten sich kennen, gingen Schwimmen, erkundeten das Gelände.

Dass etwas entfernt eine weitere Gruppe mit elf Jungen eine andere Hütte bezog, bemerkten sie ebenso wenig wie die Tatsache, dass es sich bei den Lagerleitern um Wissenschaftler handelte, die sie genau beobachteten – und später massiv manipulieren sollten.


Man bemühte sich um eine homogene Auswahl der 22 teilnehmenden Jungen. Alle ungefähr gleich alt (11-12 Jahre), gleich groß, aus ähnlichem Milieu. Familiäre Probleme oder Scheidungen wurden als disqualifizierend betrachtet. Die 22 Jungen in der Studie waren einander unbekannt und stammten alle aus der weißen Mittelschicht. Sie alle hatten einen protestantischen Hintergrund mit zwei Elternteilen.

Die Forscher teilten die Jungen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein, wobei Anstrengungen unternommen wurden, um die körperlichen, geistigen und sozialen Talente der Gruppen in Einklang zu bringen.

Sherif wollte sicherstellen, dass persönliche Unterschiede die Gruppenbildung nicht beeinflussen würden. Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt: die "Eagles" (Adler) und die "Rattlers" (Klapperschlangen).


Das Experiment gliederte sich in drei Phasen. In Stufe eins lernten sich die Jungen kennen - aber jede Gruppe für sich, ohne aufeinanderzutreffen.

Schon eine Woche nach der Ankunft hatten sich innerhalb beider Gruppen soziale Strukturen und Hierarchien gebildet, die Jungs gaben sich Gruppennamen – „Klapperschlangen“ und „Adler“ –, bastelten sich dazu eigene Flaggen mit ihrem Emblem und pflegten ihre eigenen Rituale.

Nach kurzer Zeit wurde den Jungen bewusst, dass es eine andere Gruppe im Camp gab, und als sie von der anderen Gruppe erfuhren, sprach die Camper-Gruppe sehr schnell negativ über die andere Gruppe.


Nun starteten die Wissenschaftler Phase zwei des Experiments: Sie machten die beiden Jungengruppen zu Feinden.

In dieser Konfliktphase heizten die Forschenden die Rivalität zwischen den Gruppen an. Wettbewerbe wurden gezielt manipuliert und ungerecht bewertet, Feindseligkeiten provoziert. Es wurden eine Reihe von Wettkämpfen (z. B. Baseball, Tauziehen usw.) organisiert, bei denen eine Trophäe auf der Grundlage der gesammelten Teampunktzahl vergeben wurde. Es gab auch Einzelpreise für die Gewinnergruppe, wie eine Medaille und ein Taschenmesser mit mehreren Klingen, wobei es keine Trostpreise für die "Verlierer" gab.

Der Konflikt zwischen den Gruppen eskalierte schließlich dramatisch. Schnell kam es zu einer Veränderung der Jungen von harmlosen Teilnehmern zu aggressiven Rivalen.


Das Ausmaß des Streits überraschte selbst die Wissenschaftler. Eines Abends verbrannten die "Eagles" die auf dem Spielfeld zurückgelassene Fahne der "Rattlers". Kurz darauf rächten sich die Klapperschlangen, indem sie die Hütte der Adler überfielen und dort randalierten. Schließlich eskalierte der Konflikt. Beide Lager bewaffneten sich mit ihren Baseballschlägern, um gegen die anderen in den Krieg zu ziehen.

Denken wir immer daran, dass es sich bei den Teilnehmern dieser Studie um gut angepasste, 12-jährige Jungen handelte, nicht um Mitglieder einer Straßengang.

Diese Studie zeigt deutlich, dass Konflikte zwischen Gruppen vorurteilsbehaftetes und diskriminierendes Verhalten auslösen können. Dieses Experiment bestätigte Sherifs "Realistische Konflikttheorie".


Es folgte Phase drei und das eigentliche Experiment: Die Versöhnung. 

Um die Faktoren zu bestimmen, die Gruppenkonflikte reduzieren könnten, brachten die Forscher die Camper zunächst zu lustigen Aktivitäten zusammen (z. B. gemeinsames Essen oder gemeinsames Ansehen eines Films). Dies hat jedoch nicht dazu beigetragen, Konflikte zu reduzieren. Beispielsweise entwickelten sich gemeinsame Mahlzeiten zu Essenskämpfen.

Als nächstes versuchten Sherif und seine Kollegen, die beiden Gruppen an dem arbeiten zu lassen, was Psychologen "Übergeordnete Ziele" nennen. Ziele, die beiden Gruppen am Herzen lagen und zu deren Erreichung sie auf Zusammenarbeit angewiesen waren. 

Zum Beispiel wurde die Wasserversorgung des Lagers unterbrochen (manipuliert, um die beiden Gruppen zur Zusammenarbeit zu zwingen), und die Eagles und Rattlers vereinigten sich, um das Problem zu beheben. 

In einem anderen Fall sprang ein Lastwagen, der das Essen der Camper brachte, nicht an (wieder inszeniert), also zogen Mitglieder beider Gruppen an einem Seil, um den kaputten Lastwagen zu ziehen. 

Diese Aktivitäten reparierten nicht sofort die Beziehung zwischen den Gruppen (zunächst nahmen die Rattlers und Eagles die Feindseligkeiten wieder auf, nachdem ein übergeordnetes Ziel erreicht worden war), aber die Arbeit an weiteren gemeinsamen (übergeordneten) Zielen reduzierte schließlich den Konflikt.

Die Gruppen hörten auf, sich gegenseitig zu beleidigen. Die Wahrnehmung der anderen Gruppe verbesserte sich, und es begannen sich sogar Freundschaften mit Mitgliedern der anderen Gruppe zu bilden. 

Beim Frühstück und Mittagessen am letzten Tag des Lagers war die Sitzordnung erheblich durcheinander, was die Gruppenzugehörigkeit betraf. Am Abschlussabend saßen sie gemeinsam um das Lagerfeuer und fuhren auf eigenen Wunsch in einem Bus nach Hause zurück. 


Die Ereignisse in der Räuberhöhle ahmten die Art von Konflikten nach, die Menschen auf der ganzen Welt plagen. Die einfachste Erklärung für diesen Konflikt ist der Wettbewerb.

Es gibt viele Hinweise darauf, dass die Feindseligkeit zwischen den Gruppen zunimmt, wenn Menschen um knappe Ressourcen (z.B. Arbeitsplätze, Land usw.) konkurrieren. So kann es in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit zu einem hohen Maß an Rassismus unter Weißen kommen, die glauben, dass Schwarze (oder Asylbewerber) ihnen ihre Arbeit weggenommen haben.

Die Robbers Cave-Studie wurde jedoch in einer Reihe von Punkten kritisiert. Zum Beispiel waren die beiden Gruppen von Jungen in der Studie künstlich, ebenso wie der Wettbewerb, und spiegelten nicht unbedingt das reale Leben wider.

Zum Beispiel sind Jungen aus der Mittelschicht, die nach dem Zufallsprinzip in zwei getrennte Gruppen eingeteilt werden, keine rivalisierenden Gangs in der Innenstadt oder rivalisierende Fußballfans.

Auch ethische Fragen müssen berücksichtigt werden. Die Teilnehmer wurden getäuscht, da sie das wahre Ziel der Studie nicht kannten. Außerdem waren die Teilnehmer nicht vor physischen und psychischen Schäden geschützt.

Die Ergebnisse sollten auch nicht auf das wirkliche Leben verallgemeinert werden, da die Studie nur 12-jährige weiße Jungen aus der Mittelschicht verwendete und beispielsweise Mädchen, andere ethnische Bevölkerungsgruppen und Erwachsene ausschloss.


Trotz der ethischen Problematik gilt das Robbers-Cave-Experiment als Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte, als Pionierprojekt, das grundlegende Einsichten in die Psychologie von Gruppenkonflikten ermöglichte.

Die Phasen des Experiments - Konfrontation, Konflikt und schließlich Kooperation - spiegeln oft reale Weltgeschehnisse wider.

Forschende weltweit beziehen sich auf die Erkenntnisse, wenn sie Mechanismen von Vorurteilen und Konflikten in der Gesellschaft verstehen wollen.

Heute wird die Erforschung von Gruppenverhalten, Konflikten und Kooperationen in kontrollierteren Umgebungen durchgeführt, um Schäden und ethische Dilemmata zu minimieren. Neue Erkenntnisse fließen in Bereiche wie Organisationspsychologie, interkulturelle Studien und Friedensforschung ein.

Quelle: Tagesschau.de, Greelane.com, karrierebibel.de



Vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße,

Richard


P. S. Die maskuline Schreibweise dient ausschließlich der besseren Lesbarkeit. Angesprochen sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.

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