Hypnosepraxis am Sachsenwald       Richard Petersen 

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Vorsicht (Denk) Falle

Richard Petersen • 10. Januar 2025

"Confirmation Bias"

„War ja mal wieder klar“, denkt man sich beim Lesen der Nachrichten voller Überzeugung. „Habe ich es doch gewusst“, geht es einem während der Fernsehdokumentation durch den Kopf. „Lag ich mal wieder richtig“, sagt man sich innerlich, während man den Newsfeed auf den sozialen Medien durchscrollt.


Passt alles ganz wunderbar zu dem, was man ohnehin schon über die Welt denkt und zu wissen glaubt. Und das wiederum heißt ja, dass man sehr genau weiß, wie die Welt und alles darin so funktioniert. Richtig? Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht. Denn wahrscheinlicher ist, dass man gerade Opfer des „Confirmation Bias” geworden ist.


Der "Confirmation Bias" (auch Bestätigungsfehler oder Bestätigungsverzerrung) ist ein Wahrnehmungsfehler und besagt, dass jeder Mensch dazu neigt, die eigenen Annahmen, Erwartungen und Ansichten zu bestätigen.

Was nicht ins Weltbild passt, schätzt man eher mal als falsch ein.


Bereits in den 1960er Jahren hat der Psychologe Peter Watson zum "Confirmation Bias" geforscht und ging davon aus, dass Menschen Hypothesen lieber bestätigen, als sie zu widerlegen. Das hat große Auswirkungen auf die kognitiven Prozesse. Informationen werden, anders ausgewählt und anders gewichtet, damit sie ins eigene Weltbild passen.

Durch den Bestätigungsfehler sehen wir unsere Ansichten und Denkweisen immer wieder bestätigt.

Anders gesagt: Wir sind davon überzeugt, recht zu haben, weil unsere Wahrnehmung passende Argumente dazu liefert. So verstärkt der Confirmation Bias auch Vorurteile und Denkschubladen.

Selbst belegbare Gegenargumente werden ignoriert oder als unglaubwürdig abgetan, Einzelfälle, die das eigene Denken bestätigen, werden zur Regel erklärt.

Ein ganz banales Beispiel dafür: Wer glaubt, dass die meisten Raser eine bestimmte Automarke fahren, der wird genau diese Autos auch eher wahrnehmen, wenn sie auf der Autobahn vorbeidüsen. Neben dieser verzerrten Beobachtungsgabe führt der Confirmation Bias aber noch zu weiteren schiefen Gewichtungen.


Der Confirmation Bias wirkt sich auf viele Ebenen der Informationsverarbeitung aus. Zum Beispiel stufen wir einander widersprechende Informationen als unterschiedlich relevant ein oder erinnern manche besser als andere – beides abhängig davon, ob die Informationen zum bestehenden Weltbild passen oder nicht.

Man könnte es auch so zusammenfassen: Alles, was mit der bestehenden Einstellung übereinstimmt, hat im Gehirn einen Verarbeitungsvorteil.

Die Bestätigungsverzerrung ist dabei keine Randerscheinung, mit der man im Leben ein paar Mal zu tun hat. Wir unterliegen dieser Verzerrung permanent und sie beeinflusst unsere Wahrnehmung im Alltag unzählige Male am Tag. Beim Nachrichten lesen, beim TV schauen, im Newsfeed, beim Gespräch mit Freunden.

Wenn wir einen Rasenmäher, ein Shampoo, ein Auto kaufen und verschiedene Aspekte gegeneinander abwägen. Wenn im Büro mal wieder irgendwer irgendwas Gemeines gesagt hat. Und erst recht, wenn der Schiedsrichter einen Elfmeter für die gegnerische Fußballmannschaft gibt.

Es ist schnell klar, dass es hier eine gewisse Diskrepanz zwischen dem gibt, was das Gehirn über die Wirklichkeit annimmt, und dem, wie die Wirklichkeit ist. Denn: Ein Satz wird ja nicht dadurch wahrer, dass man ihn zwei, drei, hundertmal liest.

Ist der Confirmation Bias vielleicht also auch ein bisschen gefährlich? Hat es negative Auswirkungen für uns, wenn wir unseren Glauben nicht ausreichend hinterfragen? Wie kann man der Denkverzerrung Paroli bieten? 

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, müssen wir erst einmal verstehen, warum es den Confirmation Bias überhaupt gibt. Denn meistens haben die Dinge, auch die scheinbar negativen, irgendeinen Vorteil oder zumindest eine Funktion.


Es gibt eine Reihe von Erklärungen für den Confirmation Bias und die meisten davon zielen auf die Motivation ab.

Wir haben ein Interesse daran, konfirmatorische (eine bestehende Auffassung bestätigende) Informationen zu verarbeiten, weil es Entscheidungen erleichtert, weil es die Welt überschaubarer macht und weil es sich gut anfühlt, wenn wir in unserer eigenen Meinung bestätigt werden.


Neben diesen Motiven gibt es aber auch noch eine Erklärung für den Confirmation Bias, die eher auf die Verarbeitung im Gehirn abzielt. Denn das Gehirn hat gerne so wenig Arbeit wie möglich. Das führt zu dem Effekt, dass unser Gehirn uns einen Streich spielt. Es nimmt die Verarbeitungsleichtigkeit als Hinweis für die Wahrheit einer Sache.

Es denkt, dass etwas mit größerer Wahrscheinlichkeit wahr ist, weil es schneller verarbeitet werden kann.

Auf diese Verarbeitungsgeschwindigkeit wiederum haben verschiedene Faktoren einen Einfluss. Zum Beispiel fällt es uns leichter, etwas zu verarbeiten, was wir schon mal gesehen haben. Das führt dazu, dass wir Dinge, die wir schon kennen, eher als wahr einstufen. Einen Satz, den man ein zweites Mal liest, hält man eher für wahr als einen, den man zum ersten Mal liest.


Zunächst einmal hat der Bestätigungsfehler also auch seine gute Seite. In vielen Situationen hilft er uns dabei, schnell Entscheidungen zu treffen. Was einmal gut ging, kann auch beim zweiten Mal nicht so falsch sein. Wer dagegen stets versucht, vor einer Wahl alle Informationen zusammenzusuchen, der könnte sich nie für ein Shampoo entscheiden. Der Confirmation Bias und die durch ihn eingeschränkte Informationssuche macht uns also „alltagstauglich“.


Andererseits führt der Confirmation Bias auch dazu, dass wir häufiger als es vielleicht angebracht wäre, unsere Meinungen bestätigt sehen. Das wiederum kann zu Spaltungsprozessen, Meinungspolarisierungen oder gar Radikalisierungen führen. Und im Internet, insbesondere auf Social Media, führt es zu dem mittlerweile gut bekannten Phänomen der Filterblase.


Auch auf die psychische Gesundheit kann sich der Confirmation Bias negativ auswirken. Insbesondere Menschen mit Angststörungen sind davon betroffen, weil die eingeschränkte Informationsaufnahme zum Beispiel das Vorurteil festigt, dass Spinnen, Flugzeuge oder Aufzüge tatsächlich gefährlich sind.

Auch die (mitunter hypochondrische) Angst vor schwerer Erkrankung, wie etwa die Angst vor Krebs, wird durch den Bestätigungsfehler begünstigt. Und für Menschen, die an Depressionen leiden, kann der Confirmation Bias ebenfalls ein Problem darstellen, weil er mögliche gesundheitsschädliche Annahmen und Überzeugungen verstärkt.

Nicht zuletzt trägt der Confirmation Bias dazu, dass sich Fake News und Desinformation im Internet schnell und hartnäckig verbreiten können. Und gerade "Health Fake News" können großen Schaden anrichten.


Bleibt die Frage, was ein Einzelner gegen den Confirmation Bias tun kann, wenn er ihm gerne etwas weniger auf den Leim gehen möchte. Hilft es vielleicht schon, zu wissen, dass es die Denkverzerrung gibt? Leider nein.

Was nicht hilft, ist, sich vorzunehmen, auf den Confirmation Bias zu achten und ihn nicht zuzulassen. Das funktioniert nicht, weil wir gar nicht genau wissen, wann der Wahrnehmungsfehler wie stark auftritt. Das müssten wir aber wissen, um entsprechend gegensteuern zu können.


Als wirksamer Weg im Kampf gegen den Confirmation Bias hat sich etwas Anderes erwiesen. Was hilft, ist die sogenannte „Think the Opposite-Strategie“.

Das heißt, sich aktiv damit zu beschäftigen, ob nicht genau das Gegenteil wahr sein könnte. Man kann sich also einfach mal fragen: Warum könnte stimmen, was mein Gegenüber in einem Streitgespräch gerade sagt? Wie würde die gegnerische Mannschaft argumentieren, dass es doch ein Elfmeter war?


In der wissenschaftlichen Forschung ist diese Art der Fehlerkultur aus gutem Grund festes Prinzip.

Bevor ein Fachmagazin eine Studie veröffentlicht, versuchen mehrere Experten das, was dort steht, zu widerlegen.

Und nur, wenn sie es nicht schaffen, wird die Studie auch veröffentlicht.


In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße,

Richard


P. S. Die maskuline Schreibweise dient ausschließlich der besseren Lesbarkeit. Angesprochen sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.

Das Titelbild ist AI generiert.

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